Schiffsfinanzierungen
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Der Kauf eines neuen Schiffes kann ganz einfach sein. Sofern Sie über genügend Eigenkapital verfügen, können Sie sich direkt an eine Werft wenden und dieser – kurz gesagt – den gewünschten Bauauftrag erteilen. Ginge es dabei nach einer der gesetzlichen Musterlösungen, hielte sich Ihr finanzielles Risiko in Grenzen. Denn die Werft träfe eine Vorleistungspflicht, wonach diese für die Kosten für Material, Personal, Werkzeuge und Maschinen etc. in Vorleistung zu gehen hätte.

Sie als Erwerber hätten die vereinbarte Vergütung an die Werft erst bei Übergabe des fertigen Schiffes zu zahlen. Dieses vereinfachte Szenario trifft auf den Neubau eines Schiffes in der Praxis aber nur selten zu. Das liegt zum einen daran, dass die Werft die enormen Baukosten üblicherweise nicht vorfinanzieren möchte. Und zum anderen würden Sie als Erwerber die Bezahlung des Neubaus nicht nur aus Eigenkapital, sondern auch aus Fremdkapital bestreiten. Die Gründe hierfür können finanzieller (Stichwort: Leverage-Effekt) oder steuerlicher Natur (Stichwort: Französisches Leasing) sein. Wie der Fall der „Pioneering Spirit“ zeigt, können die Baukosten für ein Spezialschiff bis zu 3 Mrd. Dollar betragen.
Damit Ihnen eine Bank einen Kredit über das benötigte Fremdkapital zur Verfügung stellt, besteht diese regelmäßig auf Sicherheiten für den Fall, dass Sie die Raten des Kredits nicht mehr bedienen können sollten. Tritt dies ein, wird sich die Bank an den bestellten Sicherheiten schadlos halten. Aber auch die von Ihnen beauftragte Werft tritt mit eigenen Sicherungsinteressen an Sie heran, da bei großen Bauvorhaben stets ein größeres Insolvenzrisiko besteht.
Auf der anderen Seite möchten aber auch Sie sich gegen einen möglichen Ausfall der Werft absichern. So entsteht eine sehr komplexe Gemengelage unterschiedlicher Beziehungen und Sicherungsinteressen. Dieser Beitrag stellt Sie als potentiellen Erwerber eines zu fertigenden Schiffes in den Vordergrund und zeichnet Ihre Verbindungen mit den anderen beteiligten Akteuren einer Schiffsfinanzierung in ihren Grundzügen nach. Dadurch werden die in der Praxis bestehenden zahlreichen Verknüpfungen veranschaulicht. 

Da Sie gleichzeitig Erwerber und Kreditnehmer sind, wird von Ihnen erwartet, dass Sie Sicherheiten einholen. Deshalb werden auch die praxisüblichen Sicherheiten dargestellt und einer Bewertung ihrer Erfolgsaussichten zugeführt. Die gleiche Darstellung und Bewertung der Sicherheiten erfolgt hinsichtlich der Bank und der Werft. Der Beitrag endet mit einem Tipp aus der Praxis, wie Sie Ihren Traum eines eigenen Tankers am besten umsetzen könnten. Zuvor ist darauf hinzuweisen, dass vorliegender Beitrag keine juristische Abhandlung über die rechtlichen Anforderungen einer Schiffsfinanzierung darstellt. Vielmehr soll der Beitrag einen kleinen, nicht abschließenden Überblick über Akteure, Instrumente und Praxis der Schiffsfinanzierung geben. Zudem ist der Beitrag gedanklich auf den Werftindustriestandort Deutschland zugeschnitten.

Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Schiffe heute in Südkorea, China und Japan gebaut werden. Deutschland zeichnet sich hingegen besonders durch den Bau von (Segel-)Yachten- und Superyachten und durch eine starke Zuliefererindustrie aus.

Lesen Sie weiter in dem Artikel von Oliver Daum im MarineForum 10-2018: pdfSchiffsfinanzierung_MF_10_2018.pdf ( pdf | 4 Seiten | 270 KB ).