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Wirtschaft & Industrie
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Seit gut einem Jahr ist die Regelung zum Schwefelgehalt von Bunkerkraftstoff (IMO 2020) in Kraft. Viele hatten ein logistisches und technisches Desaster beschworen. Unni Einemo, Director der International Bunker Industry Association (IBIA), zieht gegenüber der HANSA Bilanz ...

Foto IBIA |  Montage: Klaus-Dieter Floegel

Jetzt ist das erste Jahr IMO 2020 rum, wie ist Ihre Einschätzung: ein Desaster oder ein Erfolg?

Unni Einemo: Ein Erfolg! Vor allem dank der Planung und Vorbereitung. Als die IMO im Oktober 2016 beschloss, dass der Schwefelgrenzwert von 0,50 % ab dem 1. Januar 2020 in Kraft tritt, basierte dies auf einer von der IMO in Auftrag gegebenen Studie, die ausreichende Raffineriekapazitäten vorhersagte, um die steigende weltweite Nachfrage nach schwefelarmen Kraftstoffen in der Schifffahrt zu decken. Trotz dieser Einschätzung gab es viele Unsicherheiten und Fragen über die ausreichende Verfügbarkeit von konformen Kraftstoffen und darüber, wie viele Schiffe Wäscher installieren würden. Die Raffinerieindustrie war nicht optimistisch. Außerdem gab es große Bedenken hinsichtlich der Qualität von Heizölmischungen mit sehr niedrigem Schwefelgehalt und der Frage, wie eine konsequente Umsetzung durch eine solide, aber faire Durchsetzung sichergestellt werden kann.

Nichtsdestotrotz war die Entscheidung das Signal für die Beteiligten in der Industrie, sich auf die Umstellung vorzubereiten. Die IMO schuf die Basis für eine konsequente Umsetzung durch regulatorische Änderungen – insbesondere das HSFO-Transportverbot – und eine umfassende Reihe von Leitfäden für die Industrie und die zuständigen Behörden.

IBIA leistete einen wichtigen Beitrag zur Arbeit der IMO in diesem Bereich, da wir eine der Nichtregierungsorganisationen mit beratendem Status sind, die durch Einreichungen und Diskussionen in Arbeitsgruppen und Sitzungen relevantes Fachwissen einbringen. IBIA war auch an der Erstellung der »Joint Industry Guidance on the supply and use of 0.50-%-sulphur marine fuel« beteiligt, um den Interessenvertretern Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie sich auf die sichere Lieferung und Verwendung von IMO 2020-konformen Kraftstoffen vorbereiten können.

Diese Publikation wurde von Experten aus den Bereichen Schifffahrt, Raffinerie, Lieferung und Prüfung von Schiffskraftstoffen entwickelt und im August 2019 für alle verfügbar gemacht.

 

„In Anbetracht des Umfangs der Veränderungen, die in sehr kurzer Zeit sowohl auf der Lieferantenseite als auch auf der Seite der Schiffsbetreiber erforderlich waren, verlief die Umstellung meiner Meinung nach bemerkenswert gut.“,

antwortet Unni Einemo, Director der International Bunker Industry Association (IBIA)

 

Wie verlief die Umstellung aus Sicht der Bunkerindustrie auf logistischer und technischer Ebene?

Einemo: Es war eine große logistische Herausforderung, die weltweite Nachfrage nach schwefelarmen Kraftstoffen zu befriedigen. Die Umstellung musste innerhalb eines kurzen Zeitrahmens erfolgen, da die Schiffe meist so spät wie möglich auf die viel teureren IMO-2020-konformen Kraftstoffe umstiegen. Um der Nachfrage gerecht zu werden, waren Änderungen von den Raffinerien bis hin zur gesamten Bunkerlieferkette erforderlich.

Die Schiffe mussten sich ebenfalls auf die Umstellung vorbereiten, wobei einige von ihnen Anpassungen an den Kraftstoffsystemen und Komponenten an Bord vornehmen mussten, je nachdem, welche Art von Kraftstoff sie verwenden wollten (MGO oder VLSFO), die Kraftstofftanks reinigen, die Schmiermittel anpassen und sich an den Umgang mit VLSFOs gewöhnen, die große Unterschiede in den wichtigsten Handhabungseigenschaften wie Viskosität und Kaltfluss aufweisen, sowie genauer darauf achten, die Vermischung verschiedener Kraftstoffchargen an Bord aufgrund des Risikos der Unverträglichkeit zu vermeiden ...

Weitere Antworten zu den folgenden Fragen:

  • Welche Probleme traten bei der Umstellung auf?
  • Wurden größere Akteure auf dem Bunkermarkt durch die Umstellung begünstigt?
  • Wie haben sich die Marktanteile von HFO, MGO, VLSFO, LNG verändert?
  • Welche Faktoren waren die treibende Kraft hinter der Nachfrage nach bestimmten Treibstofftypen?

Lesen Sie hier das ganze Interview von Felix Selzer mit Unni Einemo im HANSA International Maritime Journal 03 | 2021: pdfHANSA-2021-03-IMO-2020-EinErfolg.pdf (282 kb |  2 Seiten)

Weitere Informationen: